Hobby-Elektronik



Wer sich mit der Elektronik beschäftigen will, muss sich die nötigen Grundlagen aneignen. Das macht nicht nur Spaß, sondern führt auch zu vielen möglichen Anwendungen und zu nützlichen Kenntnissen für die eigene berufliche Entwicklung. Aber es gibt auch Stimmen, die sagen, Elektronik als Hobby sei völlig antiquiert.

Wozu eigentlich noch Hobby-Elektronik?

Die Motivation dazu war noch in den 70er und 80er Jahren klar: Man wollte Geräte bauen, um sie zu benutzen. Vieles war einfach preiswerter selbst zu machen. Aber heute sind fertige Geräte oft billiger als der Selbstbau. Außerdem ist fast alles zu bekommen, was man sich vorstellen kann. Also kaufen statt selber bauen?

Es gibt noch andere Motivationsbremsen: Elektronik ist nicht mehr "in", weil inzwischen reine Softwareanwendungen aktueller sind. Also verdrängen die Ballerspiele und das Internet den Lötkoben. Heutige Geräte sind außerdem in ihrer Schaltungstechnik kaum noch zu durchschauen, weil sie hochintegrierte ICs verwenden. Auch Reparaturen sind damit schwieriger und in vielen Fällen unmöglich. Also Wegwerfen und Neukaufen.

Mit diesen Argumenten könnte man die ganze Hobby-Elektronik feierlich zu Grabe tragen. Allerdings kommt es mir so vor, als würde man damit nicht nur sehr viel Spaß, sondern auch ein ganz wesentliches Lernfeld verlieren. Derzeit gibt es eine rege Diskussion um den fehlenden Ingenieur-Nachwuchs. Allerdings scheint es da immer nur um Softwareentwicklung zu gehen, kaum mal um ganz handfeste Elektronik. Soll die vielleicht in Zukunft nur noch in Fernost stattfinden? Auch viele jüngere Ingenieure haben heute Lücken im Bereich grundlegender Schaltungstechnik. Auch die Uni kann das nicht mehr alles ausgleichen, was an Erfahrungen aus der Hobbyelektronik fehlt.

Hobbyelektronik im Aufwind?

Ein Blick ins Internet vermittelt ein optimistisches Bild. Elektronik als Hobby erscheint auf unzähligen Homepages. Oft sind es reine Schaltungssammlungen, oft aber auch Kurse und thematische Zusammenstellungen mit großer Tiefe. Immer wenn ich eine besonders gute Seite entdecke, kommt ein Link auf meine Homepage. Anscheinend wird doch wieder gebastelt. Ich bekomme viele Emails zu meiner Bastelecke. Auch Kinder von 10 Jahren haben die Elektronik als ihr Hobby entdeckt. Oft höre ich von erstaunlich kreativen Projekten. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie manche sich in die Arbeit knien.

Erfreulich finde ich auch die Bemühungen von Elektor (www.elektor.de), wieder mehr den Nachwuchs zu fördern. In letzter Zeit fallen mir häufiger betont einfache Artikel auf, die auch dem Newcomer eine Chance geben. Eine ganz neue Rubrik, die "Miniprojekte", findet man inzwischen nicht nur in der Zeitschrift, sondern auch im Internet. Für die letzte große Zeitschrift für Hobbyelektronik ist es natürlich auch wichtig, neue Leser zu finden. Und Elektor erfüllt damit eine wichtige Aufgabe bei der Förderung von Nachwuchs für technische Berufe.

Rund um den Bereich Tesla-Energie, Hochspannung, Hochfrequenz usw. hat sich ein ganz neuer Hobbybereich entwickelt, den z.B. Franzis (www.franzis.de) mit Büchern wie "Experimente mit Hochfrequenz", "Blitz und Donner selbst erzeugt" und ähnlichen Titeln unterstützt. Hier scheinen vor allem junge Leute aktiv zu sein. Das Internet ist voll von diesen Experimenten, wobei oftmals ein leichter Hang zur Esoterik zu beobachten ist. Das Ganze zeigt ein neu erwachtes Interesse an realer Physik, man will mal wieder selbst experimentieren und teilnehmen an der großen Forschung.

Gerade im Bereich Elektronik gibt es bei Kosmos (www.kosmos.de) eine lange Tradition mit Baukästen für die Altersstufen ab zehn bis 14 Jahren. Neu ist der Trend, auch Baukästen für jüngere Kinder ab etwa acht Jahren herauszubringen. Vor allem der kleine Baukasten "Elektronik-Start" mit einfachen Versuchen mit bis zu zwei Transistoren hat vielen Kindern einen Zugang zur Elektronik gezeigt. Aber auch vorgelagerte Themen wie "Telefon und Co", "Elektro-Spaß" und andere naturwissenschaftliche Themen tragen dazu bei, das Interesse zu wecken.

Wer heute Grundlagen der Elektronik und Vorschläge für einfache Projekte braucht, der muss im Internet nicht lange suchen. So bietet z.B. der "Elektronik-Experimentierserver" www.elexs.de, an dem ich für die Firma AK-Modul-Bus mitwirke, laufend wachsende Informationen zu Elektronik-Grundlagen und praktischen Anwendungen. Die Seite wird vor allem von Schülern und Lehrern gelesen und soll vor allen Dingen das eigene Experimentieren fürdern.

Eine ganz wichtige Rolle spielen die Eltern. Es gibt die Theorie, dass das Interesse an der Elektronik teilweise auch deshalb zurückgegangen ist, weil vor allem die Väter völlig vor dem PC versackt sind und keine Zeit mehr zum Basteln hatten. Inzwischen gibt es auch hier wieder einen gegenläufigen Trend. Viele haben gemerkt, dass es einfach schön ist, mit den eigenen Kindern zu spielen und zu basteln. Außerdem fördert das auch die Kommunikation ganz allgemein.

PC und Elektronik

Wer heute 40 oder 50 Jahre alt ist und sich für die Elektronik interessiert, hat meist eine Entwicklung durchgemacht vom Radiobasteln über Modellbau, Eisenbahn oder Amateurfunk, den ersten Homecomputer, den PC-XT unter DOS, Mikrocontroller und intelligente Steuerungen bis zum heutigen Einsatz moderner PCs und der Begeisterung für das Internet. Wer aber unter 20 ist, hat wahrscheinlich gleich zu Anfang den Windows-PC kennen gelernt, Begriffe wie Plug-And-Play sind ihm vertraut, dass alles gut funktioniert, ist ihm selbstverständlich.

Der jetzige Zugang zur Elektronik ist völlig anders als früher und führt oft über den PC. Typisch ist z.B. der Einstieg über C-Control oder andere Mikrocontrollersysteme. Und hier tauchen dann zum ersten Mal Fragen nach Transistor-Schaltstufen, Spannungsteilern, Messverstärkern usw. auf. Die Grundlagen müssen also nachgeholt werden. Man muss also immer wieder versuchen, etwas von den reinen Elektronik-Grundlagen an der passenden Stelle zu vermitteln. Jedenfalls ist völlig klar, dass es ganz ohne diese Grundlagen nicht geht.

Zugleich ist der PC aber auch eine wesentliche Hilfe beim Lernen der benötigten Grundlagen. Auf CDs findet man inzwischen umfangreiche Informationssammlungen, Simulationsprogramme und multimediale Unterstützung beim Experimentieren. Eine ganz wichtige Rolle spielt auch das Internet. Vor allem die Suche nach Bauteilen und Datenblättern ist kein Problem mehr. Aber auch jedes neuere Thema vom I²C-Bus über IrDa bis den neuesten Mikrocontrollern ist schnell recherchiert. Die übliche Zeitverschwendung bei der Suche nach Informationen gehört der Vergangenheit an. Eher ist es schon ein Problem, dass man von den vielen Informationen fast erschlagen wird. Aber auch hier gibt es immer wieder interessante Übersichten und Suchhilfen im Internet selbst. Einige besonders hilfreiche Seiten habe ich in meiner Linkliste aufgeführt.

Wenn man die Zeitschriftenabteilungen großer Kaufhäuser geht, findet man alles zu Autos, Motorrädern, Fotografie und PC-Software, aber wenig zum Bereich Elektronik. Im Handel findet man Zeitschriften zu unzähligen Themenbereichen. Die Hobby-Elektronik dagegen läuft einem nicht jeden Tag ungefragt über den Weg. Es sieht so aus, als müsste man sich selbst umsehen, z.B. im Internet.  Immer mehr Onlineshops liefern auch die ganz speziellen Bauteile, die man bisher nicht so leicht finden konnte. Dass sie auch gefunden werden, dafür sorgt unter anderem SEO für Onlineshops also die Suchmaschinenoptimierung. Viele andere Hobbys haben eine enge Verbindung zur Elektronik. Projekte wie Motorrad-Transistorzündung, Blitzlichtsteuerung, RC-Fernsteurungen, Modellbahn-Steuerungen oder der Ewige Blinker für das Geocachen können der Einstieg in die Welt der Elektronik sein. 

Aufruf zum Basteln

Leute, bastelt wieder! Ich kann nur sagen, das macht wirklich Spaß. Natürlich kann man nicht jedes alte Thema wieder aufrollen und alle Schaltungen aus den 60er Jahren nachbauen. Aber vieles ist inzwischen möglich geworden, was früher nicht möglich war. Die Zugang zu Bauteilen aller Art ist wesentlich einfacher geworden.

Besonders möchte ich die Rolle des modernen Edelschrotts betonen. Für mich war es schon immer so, dass alle meine Bekannten mich fragen, ob sie ein kaputtes Gerät wegwerfen sollen oder erst mal vorbeibringen. Aber die Qualität der modernen Bauteile ist einfach besser geworden. Sie sind geradezu eine Herausforderung, damit etwas Neues zu bauen. Allein das spielerische Zerlegen defekter Geräte bringt so manche Erkenntnis und zahlreiche gute Ideen. Oft führt das dann zu einem neuen Bastelprojekt. Zwar wirft meine Frau mir vor, das sei ein Zeichen mangelnder Reife und ich höre oft: "Spielst du wieder rum?" Aber ich bin mir sicher, dass das "Kind im Manne" ein ganz wesentlicher Motor des technischen Fortschritts ist. Und es hilft, das Interesse an der Technik an die nächste Generation weiterzugeben.
B.K.